„Sagen Sie, hat Ihr Tag 36 Stunden?“ – 5 Learnings aus der Weiterbildung mit Kindern!

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Danke an den Daddylicious-Blog für die Anfrage zur Teilnahme an einer Blockparade mit dem Thema #LernenFamilie, den dieser gemeinsam mit dem IUBH Fernstudium angeleiert hat. Die Fragestellung:

„Bedeutet Eltern zu sein zwangsläufig intellektuellen Stillstand im Beruf?“

Gerne bringe ich meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken dazu ein:

 

2007: Ein Kind verändert alles!

Bislang sehr ehrgeizig im Job, hatte ich doch einiges erreicht, Erfahrung sammeln können und war in Gefilde vorgedrungen, in denen um mich herum nur noch Leute mit Studium arbeiteten.

Im Sinne des verantwortungsbewussten Papas, der für sich und seine Familie gerne ein abgesichertes Leben haben wollte, entschied ich mich – in Absprache mit meiner Gattin – ein nebenberufliches Studium zu beginnen. „Wenn das Kind noch klein ist, geht das sicher besser…“

Nun ja… Als unsere erste Tochter ca. 6 Monate alt war, ging es also los. BWL-Studium, nebenberuflich mit Präsenz-Vorlesungen 3-4 mal pro Woche abends.

Als vorbildlicher Papa nahm ich dann – als einer der Vorreiter im Unternehmen – die beiden „Vätermonate“ an Elternzeit. In diesem 13. und 14. Monat mit unserem Sonnenschein war ich also zuhause. Das war toll, ich konnte etwas mit dem kleinen Wesen unternehmen und hatte gleichzeitig die Möglichkeit, mich öfter bei meinen Eltern einzuquartieren damit diese Zeit mit ihrem Enkelkind verbringen konnten. Ich saß meistens im Nebenzimmer und habe gearbeitet bzw. gelernt…

Würde ich das heute wieder so machen? Nein. Aber man darf ja lernen – auch für´s Leben…

Ich kam in meinen Job zurück. Die wichtigen Dinge, die ich nicht hatte vorarbeiten können, erwarteten mich und brannten „natürlich“ jetzt lichterloh. Also – Überstunden schieben wenn keine Uni war und in die Uni rennen zu den Vorlesungen. Ich brauche nicht zu betonen, dass meine holde Gattin quasi alleinerziehend war…

 

2010: Das zweite Kind verändert alles!

Ich war mittlerweile im letzten Semester meines Studiums angelangt. Ich freute mich auf meine zweite Tochter und auf meinen neuen Job und war froh, das Thema für die Diplom-Arbeit endlich festgezurrt zu haben.

Meine Band-Karriere hing ich nach einem Auftritt in der Frankfurter Batschkapp mangels Zeit und meines Erachtens mittlerweile fehlender Kreativität an den Nagel. Man kann sagen, immerhin hatte ich bis dahin noch ein Hobby. Mit Organisations- und etwas musikalischem Talent, einer gewissen Radikalität beim Thema und meist verständnisvollen Musikerkollegen und Ehefrau hatte ich es trotz Job, Studium und Familie soweit aufrecht erhalten können. Nun war Schluss! Mein Kopf war zu voll – ich hatte schlichtweg keine Ressourcen mehr übrig.

Es war an der Zeit endgültig Prioritäten zu setzen. Nächte mit 3-4 Stunden Schlaf waren normal, Nächte mit 1-2 Stunden Schlaf kamen vor. Dazwischen Vollgas im Job, Vorlesungen und wann immer machbar Zeit für meine Familie. Lernen wenn die Kids im Bett waren. Diplomarbeit schreiben, lesen, recherchieren,… Das ging so ein halbes Jahr lang.

Danach löste der Stress in der Firma den Stress mit dem Studium klangheimlich ab. Meine Frau war quasi immer noch alleinerziehend. Wenn ich aus der Firma kam waren die Kinder meistens im Bett. Mit Dienstreisen etc. sah ich sie oft tagelang nicht in wachem Zustand. Nicht schön, gar nicht schön!

Auf Elternzeit verzichtete ich schließlich wegen der Karriere und vereinbarte dafür mit meinem Chef 2 Tage Homeoffice pro Woche. Nun sah ich meine Kinder wenigstens öfter, viel Zeit hatte ich trotzdem nicht mit ihnen. Um keinen Grund für eine Meuterei in der Firma zu geben, arbeitete ich von zuhause fast mehr als im Büro.

Trotzdem kamen dann Stimmen von diversen Ecken, die sich beschwerten. Kollegen die neidisch waren, Ihre Projekte nicht im Griff hatten, nicht gewohnt waren zu telefonieren statt sich in die Augen zu schauen oder aus sonst einem Grund einen Sündenbock suchten – nun hatten sie ihn (zumindest gefühlt) gefunden – mich. Um es kurz zu machen: Mit dieser Regelung habe ich keine guten Erfahrungen gemacht!

 

2013: Das dritte Kind verändert alles!

Mittlerweile hatte ich mein Studium mit sehr gutem Diplom beendet. Ich beschloss, gemeinsam mit meiner Frau, aus den ersten beiden Szenarien zu lernen.

Wir rechneten aus, wie lange ich in Elternzeit gehen könnte. Aufgrund meiner Verantwortung in der Firma und einem Kollegialen Versprechen waren es dann noch neun Monate, mit denen ich meinen neuen Chef konfrontierte. Er wurde recht blass um die Nase, als er die Dauer meines Vorhabens erfuhr. Im nächsten Gespräch bot er mir dann eine Abfindung an und wir wurden uns schließlich einig. Ich nahm die neun Monate Elternzeit und es war klar, dass danach keine Arbeit mehr auf mich wartete….

Wir brauchten Zeit um bei uns anzukommen, um „runterzukommen“. Dazu nahm ich anfangs eine Vater-Kind-Kur in Anspruch – organisiert von meiner Frau. Wir reisten dann in Summe neun Monate im Wohnmobil durch Europa – ohne viele Camping-Plätze, aber dafür ohne Camping-Erfahrung. Wir besuchten Menschen, lernten neue Menschen kennen, verließen unsere Komfortzone. Wir tankten die Batterien auf – und das war bitter nötig.

Trotzdem blieben wir intellektuell nicht stehen. Ich versuchte nun meiner Frau den Rücken freizuhalten, die ihrerseits auch fernstudierte und gleichzeitig am Aufbau ihres Business arbeitete. Und ich selbst beschäftigte mich mit vielen neuen Dingen. Ich freute mich über die Zeit mit meinen Kindern und abends wenn sie schliefen, fing für mich / für uns die „Arbeit“ an.

 

Rückblick

Rückblickend habe ich zuviel Zeit dafür benötigt, um eine Richtung zu finden und ein Business aufzubauen, mit dem ich selbständig unsere Familie versorgen kann. Also ist derzeit wieder Job-Suche angesagt, trotz aller Qualifikationen sehr zäh – eine Erfahrung, die sonst oft Mütter nach der Elternzeit machen.

Daraus habe ich gelernt, auch in schönen Zeiten die Fernziele nicht aus den Augen zu verlieren. Ich würde das heute anders machen. Aber die gemeinsame Zeit und die Erlebnisse kann mir und uns keiner mehr nehmen.

Wir haben nicht unseren Haushalt aufgelöst, lediglich ein wenig „downgesized“ und unser 2. Auto verkauft, daher blieb uns einiges an Fixkosten erhalten…

Auch in online-Kurse haben wir einiges investiert. Die Zeit mit unseren Kindern hat uns verändert und auch die Art, wie wir lernen und arbeiten. Die Zeit mit unseren Kindern ist uns wichtiger und größer geworden und wir nehmen sie nicht mehr als selbstverständlich. Sie ist endlich…

 

Fazit:

Letztens fragte mich jemand in einem Interview: „Sagen Sie, wenn ich mir so ansehe was sie alles gemacht haben…. hat Ihr Tag 36 Stunden oder brauchen Sie wenig Schlaf?“

Meine Antwort: „Ich schaue kein Fernsehen!“

 

Also, hier die versprochenen Learnings aus meinen persönlichen Erlebnissen:

  1. Kinder sind per se die größte Weiterbildung im Leben – wenn man es zulässt!
  2. Die Art der Weiterbildung ändert sich in diesem Zusammenhang – bei uns von präsenz zu fern…
  3. Weiterbildung mit Kindern ist hart aber machbar!
  4. Weiterbildung mit Kindern geht nur, wenn der Partner / die Partnerin mitzieht!
  5. Weiterbildung mit Kindern empfehle ich trotzdem, denn Stillstand ist Rückschritt!

 

Also immer dran denken: Kinder verändern alles! Lasst Euch darauf ein!

P.S.: Danke Lena – für´s Rücken freihalten!

 

 

Daddylicious hat in Kooperation mit dem IUBH Fernstudium die Blockparade #LernenFamilie gestartet. Das hier ist mein Beitrag dazu.

In diesem Zusammenhang werden neben drei iPads auch FlexLearning-Gutscheine für Online-Kurse bei der IUBH im Wert von ca. 350 Euro verlost!

Also ich würde zu nem iPad  auf jeden Fall „Ja, her damit!“ sagen 😉 . Wie steht es mit Euch? Schaut es Euch an bei Daddylicious! 🙂

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